Motivation zum Lernen

Motivation zum LernenKaum steht eine Arbeit, ein Referat oder eine Prüfung an, meldet sich unser innerer Schweinehund und will mal wieder Gassi geführt werden. Lange. Und weit. Man weiß eigentlich, dass man lernen sollte, stattdessen wird das Zimmer aufgeräumt, abgewaschen, Zettel sortiert… und müssten nicht die Fenster mal wieder geputzt werden?

Um es kurz zu machen: Dinge, die uns auf der ersten Blick unangenehm sind, schieben wir nur zu gerne vor uns her. Dabei muss das eigentlich gar nicht sein. Jeder von uns hat die Möglichkeit, die notwendige Motivation für eine bestimmte Arbeit zu erzeugen und diese dann – klingt unwahrscheinlich, ich weiß – sogar gerne zu erledigen.

Tipp: unter „Sprüche und Zitate“ findest du auch kurze  Motivationssprüche und Zitate  zum Thema Lernen!

Wie motiviere ich mich zum Lernen?

Der entscheidende Punkt für den Lernerfolg ist natürlich die Motivation bzw. die Selbstmotivation zum Lernen. Prinzipiell unterscheidet man hier zwischen der intrinsischen Motivation und der extrinsischen Motivation. Die extrinsische Motivation ergibt sich durch äußere – externe – Faktoren, also z.B. der Angst vor einer schlechten Note oder dem Wunsch, sein Diplom zu bestehen. Die intrinsische Motivation entsteht dagegen durch das eigene Verständnis der vorliegenden Tätigkeit: man erkennt z.B. den Sinn der Aufgabe, möchte etwas bewegen oder interessiert sich für ein bestimmtes Thema – kurz, man hat Spaß daran und macht die Arbeit gerne.

Schon hier wird deutlich: zweiteres klingt deutlich angenehmer. Unser Ziel ist es also, uns selbst zum Lernen zu motivieren und die intrinsische Motivation anzukurbeln. Ist das erstmal geschafft, fällt einem das Lernen nicht mehr schwer.

Kurzüberblick

Der erste Schritt
Anfangen, ohne anzufangen: wie man den ersten Schritt macht.

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Der 15-Minuten Trick
Für schwere Fälle: wie man sich selber zum Lernen überlistet.
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Teilziele
Struktur hilft ungemein: wie man sich durch Teilziele zum Lernen motiviert.
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Belohnungen
Anreize schaffen: Belohnungen sorgen für kleine Motivationsschübe.
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Der Blick von Außen
Wie man sich durch einen Perspektivenwechsel selbst motivieren kann.
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Was wäre wenn?
Schwer, aber extrem hilfreich: wie man den Sinn des Lernens verinnerlicht.
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Der erste Schritt

ZettelwandAuch wenn es abgedroschen klingt: der erste Schritt ist immer der Schwerste – das gilt auch für die Motivation zum Lernen. Wenn man sich einmal zum Anfangen aufgerafft hat, ist der schwerste Teil eigentlich schon geschafft. Daher brauchen wir einen Trick, um uns diesen Schritt etwas einfacher zu machen. Und der lautet: anfangen, ohne anzufangen. Statt mit dem eigentlichen Lernen zu beginnen, bereiten wir erstmal ein paar Dinge vor:

  • die Arbeitsfläche frei machen,
  • das notwendige Lernmaterial zusammensuchen,
  • einen Zeitplan inkl. Themengebieten erstellen (nicht nur Zeiten, sondern auch den groben Lerninhalt jeder Zeiteinheit aufschreiben!).

Dabei ist wichtig, dass du dir wirklich vornimmst, noch nicht zu lernen! Nur vorbereiten. Wenn du dann, z.B. am nächsten Tag, mit dem eigentlichen Lernen beginnst, steht kein diffuser Berg von Arbeit vor dir, sondern du bist durch das Aufstellen des Zeitplans bereits mit dem ungefähren Umfang und dem Inhalt der Arbeit vertraut und hast ein erstes, konkretes Ziel. Dieser Punkt ist äußerst wichtig: sobald man den Umfang einer Aufgabe und deren Teilschritte abschätzen kann, fällt der große Motivationshemmer Unsicherheit schonmal weg und man hat ein klares Ziel vor Augen. Damit ist der wichtigste Schritt – die Überwindung zum Anfangen – bereits getan!

Der 15- Minuten-Trick

Die Vorbereitungsmethode hat nicht geholfen, du kannst dich trotz des Zeitplans nicht zum Anfangen aufraffen und hast keine Motivation zum Lernen? Dann kommt hier die nächste Methode, deinem Schweinehund das Fürchten zu lehren: du setzt dir erstmal ein kleines Ziel und danach entscheidest du aus freien Stücken, ob du weitermachst. Wenn es z.B. um ein Referat geht, setzt du dir einen festen Termin:

Heute um 16 Uhr werde ich 15 Minuten lang die Themen meines Referates aufschreiben.

Danach steht dir frei, ob du weitermachst oder nicht. Wichtig: falls du die 15 Minuten tatsächlich gearbeitet hast und danach trotzdem absolut keine Lust zum weitermachen hast, dann hör wirklich erstmal auf und setze dir einen neuen Termin. Der Trick an dieser Methode ist aber, dass man sich in den meisten Fällen nach den 15 Minuten denkt „Jetzt hab ich einmal angefangen, da kann ich auch weitermachen“. Das hat gar nichts mit Selbstüberlistung zu tun – es funktioniert einfach.

Teilziele

SchreibblockWir hatten es in Der erste Schritt bereits kurz angesprochen: ein wesentlicher Faktor für das Aufschieben einer Tätigkeit ist Unsicherheit. Zu Beginn weiß man oft nicht, welchen zeitlichen und inhaltlichen Umfang die Aufgabe hat – es fehlt einem das mentale Bild für die zu erledigende Arbeit. Auch wenn einem das oft nicht bewusst ist, ist diese Unsicherheit  in vielen Fällen die Hauptursache der fehlenden Motivation zum Lernen. Wenn man erstmal weiß, um welches Thema es geht, welche Teilgebiete man sich anschauen muss und wie umfangreich das Ganze sein wird, kurz: wenn einem die Aufgabe klar ist, dann ist das eigentliche Lernen meist gar nicht mehr so schlimm.

Für unsere Anleitung zur Motivation bedeutet das also, dass du vor dem Lernen folgende Schritte erledigen solltest:

  • Schau dir das Thema der Arbeit / der Prüfung / des Referates genau an.
  • Gliedere die Themen in Unterthemen bzw. Teilabschnitte.
  • Erstelle dir einen kleinen Lernplan. Setze für jedes der Unterthemen eine Lerneinheit an.

Damit weißt du, worum es bei der Aufgabe konkret geht, kannst deren Umfang abschätzen und hast einen groben Zeitplan mit den einzelnen Teilzielen. Damit sind bereits mehrere wichtige Schritte für die erfolgreiche Selbstmotivation erledigt!

Belohnungen

Bild von SchokoladeBevor wir mit dem Blick von Außen und dem Was wäre wenn unser hauseigenes Motivations- und Belohnungssystem ankurbeln, versuchen wir es erstmal mit einem externen Einfluss: der Belohnung. Das ganze untergliedern wir in 2 Schritte:

  • Belohnung nach einer erfolgreichen Lerneinheit,
  • Belohnung nach Erreichen des Zieles.

Das ganze ist eigentlich sehr einfach: in Schritt 1 gönnt man sich nach jeder erfolgreichen Lerneinheit eine kleine Belohnung – ein Stück Schokolade oder ein Kapitel seines aktuellen Buches. Eine Anmerkung: Computer spielen ist keine gute Belohnung für eine Lernpause, da das Gehirn dabei intensiv arbeitet und die gerade gelernten Informationen nicht „nachverarbeiten“ und speichern kann.

Die Belohnungen sollten mit der Zeit zu einem festen Ritual werden, d.h. man sollte sich diese konkrete Belohnung wirklich nur nach einer erfolgreichen Lerneinheit gönnen. Nur so wird der Zusammenhang „Wenn ich jetzt lerne, bekomme ich danach meine Belohnung“ auch wirklich verinnerlicht. Schummeln bringt einen hier nicht weiter – man muss sich konsequent an die Regel halten, damit der Anreiz der Belohnung und damit die Motivation zum Lernen im Unterbewusstsein ankommt.

Zusätzlich schaffen wir uns einen Anreiz für das Erreichen des Gesamtziels: je nach Art der Arbeit / Prüfung überlegt man sich, welches Ergebnis man gern erreichen würde. Danach denkt man sich eine Belohnung aus, die man sich für das Erreichen dieses Zieles erlauben könnte – je nach Wichtigkeit der Prüfung z.B. ein neues Buch, ein Kinobesuch, eine DVD oder ein Computerspiel. Was genau, bleibt jedem selbst überlassen. Wichtig ist, dass es etwas ist, auf das man sich wirklich freut und – das man sich nicht sowieso kaufen wird! Auch hier gilt nämlich: damit es funktioniert, muss man sich daran halten.

Der Blick von Außen

WegweiserZur Erinnerung: man unterscheidet die intrinsische Motivation (d.h. Motivation von innen: man hat Spaß, erkennt den Sinn, macht das daher gern) und die extrinsische Motivation (Motivation von außen: Belohnung bzw. Angst vor Bestrafung). Die extrinsische Motivation durch Belohnung haben wir bereits besprochen, was jetzt noch folgt ist die Königsdisziplin: wie kann man die intrinsische Motivation – also die Selbstmotivation – bewusst erzeugen?

Im Idealfall interessiert man sich für das Thema, das es zu bearbeiten gilt und ist dadurch – bewusst oder unbewusst – von dessen Sinnhaftigkeit überzeugt. Wenn das der Fall wäre, würdest du jetzt aber vermutlich keinen Ratgeber über fehlende Motivation lesen – also müssen wir deine Selbstmotivation erst noch herauskitzeln.

Dafür stellen wir uns die Frage: warum sollte ich diese Aufgabe erledigen?

Der wichtige Punkt dabei: versuche, das Ganze von außen zu betrachten. Stell dir z.B. vor, ein Freund hat in einer Woche eine Prüfung und schiebt das Lernen immer weiter vor sich her. Was würdest du ihm sagen? Dass er sich wegen dem bißchen Lernen nicht das Abi / das Studium versauen soll? Dass er mit einem schlechten Abschluss keinen guten Job bekommt und sich kein Auto leisten kann? Noch andere Sachen? Prima – dann schreib das auf eine kleine Liste, denn das sind genau die Argumente, die du auch dir selber gegenüber anbringen musst.

Nochmal zum Verständnis: der Zweck dieser Übung ist es, das größere Ziel bzw. die entfernte Belohnung hinter der nahen Teilaufgabe zu verinnerlichen. Es geht nicht um diese eine konkrete Arbeit oder Prüfung, sondern darum, das Abi / das Diplom zu bekommen, einen Job zu finden und seine Lebensziele zu erreichen. Den meisten Menschen fällt es schwer, hinter einer unangenehmen, aber naheliegenden Aufgabe das angenehme, aber weiter entfernte Ziel zu sehen und sich dadurch zu motivieren. Fakt ist aber: der Zusammenhang besteht, dessen muss man sich nur bewusst werden.

Was wäre wenn?

Neben dem Blick von Außen kann auch ein einfaches Gedankenspiel der Schlüssel zur Selbstmotivation zum Lernen sein. Fragen wir uns einfach zwei Dinge:

  • Was passiert, wenn ich die Aufgabe nicht erledige?
  • Was passiert, wenn ich die Aufgabe jetzt erledige?

Beide Fragen gehen wir gedanklich durch und erstellen uns eine kleine Motivationsliste. In den meisten Fällen ergibt sich dann etwa folgendes Bild.

Wenn ich es nicht erledige: kann ich jetzt was anderes machen und bin kurz erleichtert, meine Angst vor der Arbeit / Prüfung / Referat wird größer, der Termin rückt näher und mir bleibt weniger Zeit, ich fühle ich mich mies weil ich mich schon wieder nicht überwinden konnte.

Wenn ich es erledige: kann ich jetzt nicht lesen / zocken / aufräumen, habe ich kein schlechtes Gewissen mehr, schreibe ich eine gute Arbeit / bestehe die Prüfung / blamiere mich nicht beim Referat, bin ich stolz auf mich weil ich mich überwunden habe, kann erleichtert meine Freizeit genießen wenn ich fertig bin.

Ganz wichtig: erst die Negativ-Liste aufstellen, dann die Positiv-Liste. Mit der Negativ-Liste zeigt man sich die Probleme auf, und mit der Positiv-Liste präsentiert man sich selber die Lösung. Funktioniert ja bei mir eh nicht? Das sagen viele – aber hast du es schonmal wirklich ausprobiert? Nein? Dann versuch es zumindest einmal ernsthaft durchzuziehen – danach kannst du immernoch sagen, dass es nicht geht.

Spätestens hier erkennen nämlich die Meisten, welchen Sinn die vordergründig unangenehme Aufgabe hat und was das größere Ziel dahinter ist. Wenn man sich das erfolgreich bewusst gemacht hat, besitzt man automatisch die innere Motivation zum Lernen.


Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Extrinsische_Motivation#Quellen_der_intrinsischen_und_extrinsischen_Motivation

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MOTIVATION/

http://en.wikipedia.org/wiki/Motivation

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